Zu Fuß von Canterbury nach Rom

Ein Pilgerbericht von der Via Francigena -2010

Verlag: SHAKER media

ISBN: 978-3-86858

Großformat mit 367 Seiten und 60 Farbdrucken

Vom Verlag festgesetzter Preis: 34,90 Euro

Mit diesem Buch möchte ich den Pilgern, die noch nicht in Canterbury gestartet sind und denen, die die gesamte Pilgerwanderung unternehmen möchten, alle mir zur Verfügung gestandenen Informationen geben. Ich habe ein Diktiergerät mit mir geführt und alles, was ich sah und erlebte, darauf gesprochen. Zu Hause schrieb ich dann alles nieder. Der Verlag SHAKER media hat das Cover vonl meinem Rom-Foto gestaltet. Alles andere stammt von mir persönlich.

Homepage der Autorin: www.herminestamparabe.com

Pilgeretappen:

17-tägiger Pilgerweg, ca. 285 km Pilgerweg

1. Tag Westmünsterland - Köln/Bonn - Pisa (Kaiser Heinrich VII) Flug
2. Tag Pisa - Siena (Hl. Katharina) Autobus
3. Tag Siena - Monteroni d'Arbia - Buonconvento 28 km
4. Tag Buonconvento - San Quirico d'Orcia 22 km
5. Tag San Quirico d'Orcia - Radicofani 28 km
6. Tag Radicofani - Acquapendente 25 km
7. Tag Acquapendente ( Prätor v. Jerusalem ) - Bolsena 22 km
8. Tag Bolsena (Hl. Cristina) - Orvieto 22 km
9. Tag Orvieto - Bagnoregio (Civita) 23 km
10. Tag Bagnoregio (Civita) - Viterbo 28 km
11. Tag Viterbo - Vetralla 21 km
12. Tag Vetralla - Sutri 22 km
13. Tag Sutri - Campagnano di Roma 25 km
14. Tag Campagnano di Roma - La Storta 19 km
15. Tag La Storta - Rom (Hl. Petrus, Hl. Paulus) Zug
16. Tag Rom Ruhetag
17. Tag Rom - Weeze - Westmünsterland Flug
Dank

Bevor ich mit der weiteren Beschreibung meines Pilgerweges fortfahre, möchte ich mich bei den vielen netten, verständnisvollen und hilfsbereiten Leuten bedanken, denen ich begegnet bin und die mir bei der Beplanung behilflich waren.

Diese Leute haben mir den Weg oft geebnet und um ein Vielfaches erleichtert:

Klaudia, die mir bei den Vorbereitungen eine sehr große Hilfe war, und deren täglichen Gespräche am Handy eine Bereicherung des Tages waren.

Alle Italienerinnen und Italiener auf dem Weg, die mir gegenüber immer sehr aufgeschlossen und hilfsbereit waren.
Die Pastöre, Kapläne und Ordensschwestern, die immer sehr freundlich und vertrauensvoll waren.
Die Pensionsgastgeber/-Innen, die schon fast liebevoll mit mir umgegangen sind.
Die Damen des Pilgerbüros Rom, die mich nett aufgenommen haben und mit Rat und Tat unterstützt haben.
Die Damen des Büros der Associazione Europea delle Vie Francigene in Fidenza
Die Homepage von EUROVIA, wo ich so manche sehr nützliche Anregungen für die Pilgerung bekommen habe.

1. Pilgertag: Ankunft in Pisa
2. Pilgertag: Pisa - Siena

Die Vorbereitungen waren abgeschlossen und der lang ersehnte Tag war da. Abschied!

Christoph, mein Schw.-S., wollte es sich nicht nehmen lassen mich zum Flughafen zu bringen. Seine Belehrungen, hinsichtlich des Eincheckens nahm ich dankend an. Das Flugzeug der Fluggesellschaft "TUIfly" nahm mich auf und flog nach Pisa. Pünktlich landeten wir spätabends auf dem Flughafen Galileo Galilei.

In Pisa, ca. 2 km vom Flughafen entfernt, übernachtete ich in einer sehr netten Pension.

Pisa kannte ich schon von früheren Besuchen her. Daher zog mich auch nichts so recht in die bewundernswerte Stadt. Ich war nur auf den nächsten Tag ausgerichtet endlich Siena zu erreichen.

Am frühen Morgen des 2. Pilgertages ging ich aber noch schnell zum Duomo Santa Maria Assunta. Hier besuchte ich des Grabmals Kaiser Heinrich VII.

Am Vormittag fuhr ich dann mit dem Autobus in einer mehrstündigen Fahrt nach Siena. Die Fahrkarte für diese Fahrt hatte ich mir schon frühzeitig über das Internet, mit 2 Euro Rabatt, besorgt.

In Siena angekommen durchstreifte ich die mir schon bekannte Stadt. Hier, in der Backsteinbasilika San Domenico befindet sich das Haupt- (Kopf-) Reliquiar der Hl. Katharina. Mich zog es zum Duomo Santa Maria, auf der höchsten Stelle der Stadt gelegen. Hier bat ich Jesus um ein gutes Gelingen meines Weges.

Anschließend suchte ich die Piazza il Campo auf. Hier genoss ich die warme Sonne und das quirlige Leben. Aber dann ging ich über die Via del Sole zum Vorort Valli. Hier, etwas außerhalb von Siena, übernachtete ich wieder in einer netten Pension an der Via Cassia.

Das waren nun die ersten zwei Tage.
Aber eigentlich wird es morgen richtig losgehen, obwohl die vergangenen Tage für mich doch recht ereignisreich gewesen sind.

Aber am Abend hatte ich doch nichts anderes zu tun als meine Wanderkarten noch einmal zu studieren, damit ich auch am nächsten Tag den richtigen Weg finde :-)

3. Pilgertag: Siena - Buonconvento (28 km)

So, nun war er da - der 3. Pilgertag!

Am frühen Morgen war ich schon auf den Beinen, denn es sollte eigentlich nur bis Ponte d'Arbia gehen. Aber wie so oft ... Na, ja!

Zuerst schaute ich mal, wo der Einstieg in die Via Francigena war. Fand ich aber nicht sofort. Jetzt die Überlegung: Sollte ich doch die Via Cassia laufen?! Lieber nicht! Ich orientierte mich also östlich in's Gelände. Es konnte mir ja nichts passieren, weil ich meinen Kompass dabei hatte, und meine Wanderkarte sehr hilfreich war.

Das war auch gut so. Denn nach der ersten Wegkreuzung hatte ich meinen Pilgerweg erreicht. Über hügeliges Gelände laufend passierte ich Colombaio und erreichte Isola d'Arbia. Hier stockte ich meine Verpflegung auf. Weiter ging es, weil die Zeit drängte, über die Via Cassia nach Monteroni d'Arbia. Hier besichtigte ich die moderne Kirche und das burgähnliche Mühlengebäude am Fiume Arbia.

Ich durchquerte den Ort und erreichte bald Lucignano. Hier kurze Besichtigung des schönen, mittelalterlich anmutenden Ort, Trinkwasser auffüllen, und weiter ging es nach Quinciano.

Nun führte der Pilgerweg einige Kilometer flach verlaufend parallel der Schienen-strecke. Dann hatte ich auch schon bald Ponte d'Arbia erreicht.

Hier erlebte ich eine für mich unangenehme Überraschung: Die Pilgerunterkunft war nicht zu belegen, weil der Pastor sich in Siena aufhielt. Was nun? Kurze Umschau im Ort und dann weiter zum ca. 3 km entfernten Ort Buonconvento.

Der Weg führte durch eine sehr schöne Landschaft und schon bald hatte ich Buonconvento erreicht.

Buonconvento, am Fiume Ombrone gelegen, ist ein sehr schönes Städtchen mit einer interessanten Altstadt. Ich suchte die Chiesa S. Pietro e S. Paolo auf und bedankte mich für den doch, trotz aller Umstände, glücklich ausgehenden Tag. Auf der Suche nach der Parrocchia traf ich eine italienische Pilgerin die auch dort hin wollte um sich einen Begleitstempel zu holen. Nach einigem Suchen hatten wir die Pilgerunterkunft und damit auch den Padre gefunden. Die Pilgerin bekam den Stempel und ich meine Unterkunft für die Nacht J

Das war ein sehr langer Pilgertag für mich. Meine Kondition hatte doch um Einiges gelitten. Aber, nach dem nun alles ausgestanden war, war ich doch glücklich über das was ich gesehen und erlebt hatte.

4. Pilgertag: Buonconvento - San Quirico d'Orcia (22 km)

Früh am Morgen, 4. Pilgertag: Schnell packte ich meine Sachen zusammen. Dann machte ich mir ein kleines Frühstück. Dann verabschiedete ich mich von dem freundlichen Padre mit einem großen Dankeschön. Übrigens, ich war der einzige Pilger über Nacht in der Parrocchia. Dann ging ich zur Chiesa S. Pietro e S. Paolo, die allerdings noch geschlossen war. Aber man kann auch vor der Kirche beten :-) Der Weg bis Torrenieri ging fast ausschließlich über die Via Cassia. Landschaftlich links und rechts des Weges zwar sehr reizvoll, sonst aber recht stressig. Gut nur, dass die Autofahrer sehr rücksichtsvoll waren. Aber auch das ging vorbei. Mittag in Torrenieri bei herrlicher Sonne.

In Torrenieri ergänzte ich meinen Proviant und stärkte mich erst einmal. Dann kam der schönste Wegteil des Tages - die Panoramastrasse. Herrlich dieses auf und ab der Straße mit den wunderschönen Ausblicken. Ein Glück, diese Straße war nicht sehr viel befahren.

Am frühen Nachmittag sah ich dann auch schon die Silhouette von S. Quirico d'Orcia. Die Strasse schlängelte sich rechts am Friedhof vorbei und schon bald erreichte ich S. Quirico. Der Eintritt in die Stadt präsentierte sich mir wie ein Straßenschlauch mit direktem Blick auf die Chiesa la Collegiata dei SS. Quirico e Giulitta. Müden Schrittes zog ich nun zur Chiesa, an deren Portal ich mich erst einmal verschnaufte. Das Por-tal war geöffnet, so dass ich in der Kühle der Kirche erst einmal zur Ruhe kommen konnte. Dann stellte sich mir die obligatorische Frage: "Wo übernachte ich denn nun"? Hier bot sich die Pilgerunterkunft von Sra. Lucrezia Agostino an. Die Pilgerunterkunft befindet sich unmittelbar neben der "Collegiata". Auch hier blieb ich wieder der einzige Pilger! Aber was soll's?!

Nun schaute ich mir erst einmal den sehenswerten Ort mit den altehrwürdigen Kirchen an. Die Leute mit denen ich sprach begegneten mir durchweg freundlich. Ich hatte auch festgestellt, dass ein Pilger bei den Leuten einen hohen Stellenwert einnahm.

Wie es auf einer Pilgerung so geht. Auch hier konnte ich nur einige Stunden verweilen. Also wieder Abschied!

5. Pilgertag: San Quirico d'Orcia - Radicofani (28 km)

Der 5. Pilgertag! Das Schicksal des Pilgers - immer unterwegs. So auch jetzt: ganz früh aufstehen, Frühstück, packen, Türe zu, Kirchenbesuch (wieder vor der Kirche) und los geht es. Eigentlich schade! Gerne wäre ich noch etwas geblieben.

Heute ist meine "Königsetappe" dran: 28 km stetig bergauf, ca. 600 Höhenmeter. Schnell hatte ich wieder freies Gelände erreicht. S. Quirico verlor sich langsam im Dämmerlicht. Ich passierte Vignoni Alto und hatte auch bald Bagno Vignoni erreicht. Hier Besichtigung der Piazza mit dem Wasserbecken. Weiter ging es. Gebadet habe ich nicht, weil ich keine "weichen" Füße bekommen wollte.

Nun ging der Weg zum Fiume Orcia bergab. Bis Gallina schleppte sich die Straße, und auch ich, langsam empor. Stressig, weil die Via Cassia doch lebhafter befahren war. Hier in Gallina frischte ich meinen "Wassertank" auf. Weiter ging es nach Ricorsi. Nach Ricorsi musste ich noch einmal an der Via Cassia entlang laufen. Aber dann ging es kurz hinter Bisarca links, auf der Landstraße 478, weiter.

Aber dann, irgendwo auf der Strecke, die Sonne brannte und ich hatte seit Stunden niemand gesehen außer einigen Autos, hielt ich an und schmiss meinen Ruck-sack seitlich hin. Denn ich fragte mich allen ernstes, warum ich mir diese Strapazen eigentlich antue. Ich nörgelte mit mir herum und dann hatte ich es. Das war der Psycho-Koller den fast jeder so am 3. bis 5. Tag überwinden muss *ggg*. Also ruhig bleiben, ausruhen, erfrischen und ... weiter! Beruhigter ging ich weiter und weiter. Und dann grüßte plötzlich der Burgfried der Burganlage von Radicofani herunter. Meine Schritte wurden immer weiter und schneller. Dann hatte ich Radicofani erreicht!!!

Hm, so schlimm war es aber nun doch nicht *lach*. Eine tolle Erfahrung habe ich aber auch gemacht: Hunde! Ich habe noch nie so bescheuerte Hunde erlebt. War das oft ein Gebelle. Ich glaube, dass die ein Handy von Herrchen benutzten, denn die wussten immer wenn ich kam.

Ja, erreicht hatte ich Radicofani schon. Aber ich musste doch noch eine Steigung nehmen. Dann war ich auf der "Hauptstrasse". Schnell hatte ich auch die Pilgerun-terkunft erreicht. Welche Freude! Ich traf hier die italienische Pilgerin (Buonconvento!) und einen anderen Pilger in der Herberge. Aber die zogen nun weiter! Aber vorher erklärten sie mir alles Wichtige was für die Übernachtung im Haus wichtig war. Danke noch einmal dafür! Aber sonst war kein Pilger zu sehen. Ich packte aus und machte mich „stadtfein" *lach*. Dann ging ich in den Ort zur Chiesa S. Pietro e S. Agata um mich für den geschafften, weiten und anstrengenden Weg zu bedanken. Dann ging ich hoch zur Rocca, am Friedhof vorbei, und genoss den Weitlick über die herrliche Landschaft. Zurück im Ort besuchte ich noch einmal "Peter und Agathe". Ich war so froh es bis hier geschafft zu haben, dass ich es mir nicht nehmen ließ in der seitlichen (Marien?) Kapelle das Lourdes-Lied zu singen. Diesen Tag, diese Eindrücke, auch diesen Bergort, werde ich nicht so schnell vergessen. Abends telefonierte ich wieder mit Klaudia, wie jeden Abend, um ihr meine Erlebnisse in Kurzform zu schildern.

6. Pilgertag: Radicofani - Acquapendente (25 km)

Der Abschied vom Bergort Radicofani hatte einen etwas wehmütigen Charakter.
Die Sonne war noch nicht aufgegangen, wie sich später herausstellte ging sie auch heute überhaupt nicht auf, da war ich schon unterwegs. An der Chiesa S. Pietro e S. Agata lief ich etwas verhaltener und summte das Lourdes-Lied.

Das Wetter war schlimm: Nieselregen! Und dann 24 km bis Acquapendente. Ich ging zuerst einmal in eine Bar um einen Kaffee mit Milch zu schlürfen *hm*. Die warmen Plunder waren auch nicht zu verachten.

Nun aber das Regenzeug an und los!! Irgendwie schauten mich die wenigen Passan-ten komisch an. Mitleid? Der Weg ging stetig bergab bis Ponte a Rigo. Unterwegs merkte ich schon, dass mit meinen Füßen etwas nicht in Ordnung war. An einer trockenen Stelle im Wald zog ich meine Schuhe aus. O weh! Blasen und eine Entzündung am Zeh. Aber Dank meiner Reiseapotheke, die mir Klaudia zusammen gestellt hatte, konnte ich alles pilgermäßig behandeln. Vorweg gesagt: „Nach einigen Tagen war alles wieder i.O". Der erste Schreck war aber groß. Ich humpelte zwar ein bisschen, aber es ging, so dass ich auch bald Ponte a Rigo erreichte.

Hier pausierte ich erst einmal in einer Bar, denn es regnete mittlerweile heftiger. Einige Kilometer hinter dem Ort konnte ich sogar auf dem Trassenverlauf der antiken Via Cassia pilgern. Aber sonst ging es immer entlang der Via Cassia, von mir so genannt, aber eigentlich die SS2. Bald hatte ich auch den Ort Ponte Gregoriano mit seiner imposanten alten Brücke erreicht. Hier wieder Rast und dann in leichter Steigung nach Acquapendente. Es regnete immer noch. Ich schaute mir bei dem Wetter die Stadt an, die mit einer soliden Stadtmauer umgeben, und von einer Burg gekrönt war. Aber mir brachte die Stadt nicht sehr viel entgegen, außer das hier der Cappuccino lecker war :-)

Eine Sehenswürdigkeit gab es hier aber noch, an der man nicht vorbeigehen konnte - die Chiesa del Santo Seprolco. In der Krypta befindet sich eine Vielzahl (22?) von Säulen. Ich warf im linken seitlichen Kirchenraum eine Münze in den Automaten und schon, welch ein Wunder, erstrahlte im gedämpftem Licht die Krypta. Es war mittlerweile schon spät geworden und ich suchte mir eine Unterkunft. Wieder ein Wunder, ich fand in einer kleinen Seitenstrasse eine winzige Pension zum "Vorkriegspreis". Bald lag ich in meinem Bett, bedankte mich beim Jesus für diesen doch glücklich ausgegangenen Tag, und telefonierte, wie jeden Abend mit Klaudia, und teilte ihr alles mit was heute geschehen war.

7. Pilgertag: Acquapendente - Bolsena (22 km)

Nach den Mühen der vergangenen Tage erwartete mich am 7. Pilgertag eine relativ leichte Pilgerstrecke. Am frühen Morgen startete ich wieder. Mein Weg führte wieder an der Chiesa del Santo Seprolco vorbei. Das Portal war leider noch verschlossen, so dass ich meine Andacht auf der Kirchentreppe verrichtete. Komisch, dass ich morgens nur verschlossene Kirchen antraf.

Der Himmel war mit Wolken verhangen und es regnete leicht. Aber mittlerweile stand ich über den Dingen. Alles wurde "wasserdicht" verpackt. Hier zeigte es sich wieder einmal, dass ich lieber eine Taucherkamera hätte mitnehmen sollen. Denn aus Angst, dass meiner Digitalkamera etwas passieren könnte verstaute ich sie ganz tief im Rucksack. Darum entstanden auch relativ wenig Fotos von der Pilgerstrecke. Aber ich meine, dass die Fotoausbeute auch so reicht. Diese Bilder sind auf meiner HP „www.walter-huelsermann.de" zu besichtigen. Übrigens, meine wichtigen Dokumente hatte ich in einer wirklich wasserdichten Tasche verstaut. Die Anschaffung der Tasche hat sich gelohnt. So, jetzt aber genug Zeit vertan. Rucksack auf und los.

Mein Weg, immer sachte ansteigend, führte mich über Ponte S. Blagio nach Campo Moro. Dann erreichte ich, links an S. Pailo vorbeigehend wieder die Via Cassia (SS2), an der ich tangierend laufend San Lorenzo Nuovo erreichte. Der Ort brachte mir überhaupt nichts. Gut, auf der Piazza gab es eine nette Bar mit einem guten Frühstück.

Jetzt ging ich den Weg über Podere Nuovo nach Bolsena. Dieser Weg war, obwohl die Sonne nicht hervor kam, sehr schön. Immer wieder sah ich den Lago di Bolsena in der Ferne. Der Weg ging durchweg mit Gefälle nach Bolsena. Das Wetter wurde auch besser, so dass ich auf eine gute Besichtigung des Ortes hoffen durfte.

Aber zuerst musste ich meine Herberge aufsuchen. also ging ich ca. zwei Kilometer bergauf zum Convento. Hier erfuhr ich, dass alles belegt sei, weil im Augenblick Tagungen abgehalten werden. Prima, und jetzt? Aber die Schwester war nett und telefonierte herum. Gab mir als Erfrischung Mineralwasser und war recht fröhlich. Schließlich hatte sie etwas für mich. Gab mir eine Adresse und ich machte mich wieder auf. Jetzt aber bergab. Die Adresse stimmte und ein Zimmer war frei für mich. Der Preis? Italiener feilschen nicht, sie geben auf Anfrage einen Rabatt. In meinem Fall machte die himmlische Fürsprache etwas aus *lach*.

Jetzt musste ich mich aber sputen, wenn ich von Bolsena noch etwas sehen wollte. Mein erster Weg führte mich zur Basilika Santa Cristina. In der Kirche sammelte ich mich und suchte die Grabstätte der Hl. Cristina auf. Dort, im Gebet, ging mir das Schicksal dieses armen Mädchens durch den Kopf. Dann besichtigte ich die Basilika und fotografierte mit Genehmigung des Kaplans die wunderschönen Kunstgegen-stände. Der Kirchenführer auch Kaplan sprach ein gutes deutsch.

Natürlich wollte ich mir auch noch den Ort mit seiner Burganlage anschauen. Das war aber nicht so doll, weil es immer wieder regnete. Aber irgendwie hatte ich mich schon daran gewöhnt. In der Bar auf der Piazza stärkte ich mich aber erst einmal. Aber dann ging ich auf Entdeckungstour. Der Aufstieg zur Rocca war nicht beson-ders anstrengend und hat sich sehr gelohnt.

Mir hat Bolsena sehr gut gefallen. An jeder Ecke, jeder Straße, entdeckte ich immer wieder neue und interessante Ansichten. Bevor ich zum See herunter ging, habe ich doch lieber noch einmal die Basilika S. Cristina aufgesucht.

Eigentlich wollte ich mir noch die Ausgrabungen der etruskischen Stadt "Volsinii Veteres" anschauen. Aber der heutige Tag war auch ohne diese Besichtigung schon fast übervoll ausgelastet. Ich wollte auch nicht, dass mein Pilgerweg plötzlich zu einer Stressangelegenheit wird. Also, morgen ist auch wieder ein Tag. Ich hockte mich lieber an den See und dankte Jesus für diesen schönen und ereignisreichen Tag.

8. Pilgertag: Bolsena - Orvieto (22 km)

Gut ausgeschlafen wachte ich am 8. Pilgertag frühmorgens auf. Meiner Gastgeberin hatte ich am Abend gesagt, dass ich heute kein "prima colazione" haben möchte, damit sie nicht so früh aufstehen muss. Ich dachte immer, dass "prima colazione" ein tolles Frühstück sein muss, prima = sehr gut. Fehlanzeige, prima = erstes, da italienisch. Tja, so war dann auch das Frühstück immer = Italienisch *ggg*. Aber meine Gastgeberin war trotzdem auf den Beinen. Küsschen rechts, Küsschen links, und weg war ich *lach*. Ich musste auch frühzeitig aufbrechen, weil ich ja, bevor ich den Weg nach Orvieto antrete, zuerst noch die alte etruskische Stadt "Volsinii Veteres" besichtigen wollte. Diese Ausgrabungen befinden sich oberhalb von Bolsena. Ausgiebig, doch auf die Uhr schauend. habe ich mir alles angesehen, da ich sowieso ein Fan der Archäologie bin. Hier, in absoluter Stille, setzte ich mich auf eine umgestürzte Säule und sann darüber nach, wie wohl das Leben früher hier gelebt worden ist.

Ich bat Jesus um einen guten Tag. Dann brach ich auf nach Orvieto. In Bolsena verließ ich die Via Francigena, weil ich mir in Orvieto den Dom ansehen wollte. Denn ich wollte von Orvieto aus über Bagnoregio nach Viterbo pilgern. Hier wollte ich dann wieder auf der alten Pilgerstrasse weiter pilgern. So geplant wollte ich es auch tun.

Mein Weg führte mich bei sonnigem Wetter einige Kilometer bergauf. Ich hatte mir durchweg sogenannte Wirtschaftswege zum Pilgern ausgesucht. Der Weg ging auf und ab und ich tangierte kleine Dörfer und Höfe in fast völliger Abgeschiedenheit. Ein wunderbarer Weg!!!

Am späten Vormittag sah ich dann Orvieto. Orvieto liegt auf einem nach Norden hin geneigtem Tuffsteinplateau. Aber ich sah nicht sehr viel davon, weil die Gegend im Dunst lag. Egal! Schnell lief ich runter in's Tal und in einer Steigung in die Stadt hinein. Nun hatte ich Zeit, denn es war noch nicht Mittag. Schnell fand ich auch das Convento, meine Herberge. Schnell duschen, essen, und Besichtigung des Klosters. Dann aber lockte mich die Stadt, und "mein" Dom. So ging ich also durch die Straßen und - da war er, der Dom!

Jetzt war ich ruhig und zufrieden. Ich ging in den Dom, betete und bedankte mich für das alles was ich auf dieser, meiner Pilgerung bis jetzt erleben durfte. Ich dachte auch an Klaudia, die für meinen Pilgerweg Verständnis aufbrachte und mich schwe-ren Herzens hat ziehen lassen.

Jetzt schaute ich mir die weiteren Sehenswürdigkeiten der Stadt an. Ich lief und lief, aber das Staunen bei mir nahm kein Ende. Was für eine wunderschöne Stadt. Nur schade, dass der Pilger nur ein Ziel hat: Den Weg!

Es war nur gut, dass mir der ganze Nachmittag zur Verfügung stand. So konnte ich doch eine Vielzahl der Sehenswürdigkeiten bestaunen. Am Abend war ich auch dementsprechend richtig "kaputt", aber glücklich. Ich ging zum Convento zurück, aß in der Zelle mein Pilger-Abendessen :-) und legte auf der Landkarte meinen morgigen Pilgerweg zurecht. Der Weg führte lt. Karte nur über Landstraßen. Das will ich mal sehen. Jesus, danke für diesen schönen Tag!!!

9. Pilgertag: Orvieto - Bagnoregio (23 km)

Der Morgen kam, und damit der 9. Pilgertag. Die Sonne war noch nicht aufgegangen da ging ich los. Die Stadt war noch ruhig, da zog ich durch die Porta Maggiore in leichten Serpentinen zur Strada dell' Arcone. Hier zweigte mein gewählter Weg rechts ab nach Porano. Von Porano wollte ich dann über Boccetta wieder die Landstrasse SP12 erreichen, und von dort ohne Umwege nach Bagnoregio pilgern. Der Weg war gut gewählt. Eine schöne Bergwelt umgab mich und fast zu schnell hatte ich Porano erreicht. Hier besichtigte ich im Schnelllauf Castel Rubello und die Villa Paolina. Dann pilgerte ich weiter, weiter..., bis ich feststellte, dass nichts mehr ging. Der Weg war zu Ende. Ich hätte in dem ersten Weg "Localita Boccetta" rechts abbiegen müssen. Aber die Wege hießen alle so. Hätte ich vom Westmünsterland her wissen müssen.

Ich fand einen Bauernhof und fragte nach wo ich mich denn eigentlich befinde. Die Bäuerin lachte und verstand mich wohl nicht. Ich musste in's Haus kommen. Ich bekam von ihr ein leckeres zweites Frühstück (nicht prima, sondern gut *lach*). Grazie, Signora, für alles! Arrivederci!! Zwei Stunden waren weg. aber ich war ein gesättigter Pilger und klagte nicht.

Die Landstrasse war doch nicht so stark befahren wie ich vermutete. Im strammen Schritt hatte ich Bagnoregio kurz nach Mittag erreicht.

Nach kurzer Orientierung hatte ich meine Unterkunft für eine Nacht erreicht. Denkste! Ich schellte. Nichts! Ich schellte noch einmal. Aha! Momento, io vengo (oder ähnlich). Sie kam und meinte:" Machine". Ich: "No, no, Machine". Sie öffnete ihre Garage, öffnete ihr Auto und schmiss meinen Rucksack hinein. Ich hinterher! Dann mit Tempo wieder in den Ort hinein, Querstrasse rechts, Haus links (oder ähnlich). Die Haustüre wurde geöffnet. Oh Wunder! Grandios, eine Einrichtung edel altitalienisch, und ich der einzige Bewohner. Die Signora öffnete alle Schränke und Truhen nur für mich allein. Alles Essen u. Trinken sollte ich nehmen. Ich wollte aber zuerst in den Ort und nach Civita.

Signora und ich machten Termine aus. Dann ging sie, und ich ging auch, nachdem ich mich frisch gemacht hatte.

Bagnoregio ist ein recht kleiner Ort mit einer schönen Altstadt. Civita liegt ca. 2 Kilo-meter aus Bagnoregio heraus. Civita klebt oberhalb eines Felsens, der steil aus einem Tal heraus ragt. Vor einigen Jahren wurde als Zuweg eine Brückenverbindung geschaffen, damit Civita besser für die Bewohner und Touristen zugänglich ist. Ob das eine gute Lösung ist? Bevor die Brücke existierte mussten alle Transporte mit Mulis (Esel) auf entsprechenden Pfaden durchgeführt werden.

Mir hat das alles sehr gefallen, darum habe ich auch fast jeden Winkel fotografiert. Dabei hatte ich noch Glück, dass fast keine Touristen herumliefen. Das war für mich gut so, denn so konnte ich in Ruhe in der Ciesa San Donato meditieren.

Lange schaute ich mich noch in diesem schönen Ort um, bevor ich wieder nach Bag-noregio zurück ging. Hier gab es eine nette Bar mit einem guten Kaffee. Abends kam auch wieder die Signora die mit mir schimpfte, weil ich nichts von ihren Beständen gegessen und getrunken hatte. Als Ausgleich zauberte sie mir aber ein leckeres Abendessen zurecht. So ist wieder ein wunderschöner Pilgertag vergangen. Mein Dank an meinen Beschützer war übergroß!

10. Pilgertag: Bagnoregio - Viterbo (28 km)

Es wurde Morgen, 10. Pilgertag. Für heute war meine 2. Königs-Pilgeretappe ange-sagt: 28 km über faltenreiches Gelände, mit einem Gesamtgefälle von ca. 160 m (nach meiner Karte). Darum war frühes Aufstehen angesagt.

Signora bereitete mir ein großartiges Frühstück. Von der Menge her für Holzfäller geeignet. Dann packte sie mir den Rucksack noch voll Lebensmittel die ich letztendlich zu tragen hatte. Dann: Küsschen rechts, Küsschen links, arrivederci, Signora. Dann ging ich los!

Mein Weg sollte über Ponzano, Pratoleva und Celleno nach Viterbo gehen. 28 km, und mein Rucksack mit ca. 12 - 14 kg Gewicht war auch dabei. Die Sonne schien warm vom Himmel. Geschätzt vielleicht 22°C. Also ideale Verhältnisse. So war es auch! Die Straße war gut und es gab wenig Autoverkehr.

Gegen Mittag war ich in Celleno. Hier machte ich eine größere Rast. Aber dann pilgerte ich weiter. Der Weg war noch weit. Aber immer wieder lagen Gehöfte am Weg wo ich meinen „Wassertank" auffüllen konnte. In Stazione angekommen lockte mich die Zugstation schon gewaltig. Nicht hinsehen, weiter!

Am ganz späten Nachmittag sah mich dann Viterbo. Zuerst ging ich zu meiner etwas außerhalb der Stadt liegenden Pension. Die Hausnummern waren etwas kurios geordnet, so dass ich doch noch suchen musste. Aber dann war ich da. *klingeling* Hier ist der Pellegrino. Die Pension war ein schönes, gepflegtes Haus. Die Signora fütterte gerade ihren Enkelsohn. Ich machte mich natürlich nützlich. Als Dank (?) bekam ich ein riesiges Glas mit Saft. Dann Zimmer anschauen, auspacken, duschen, Mit der Signora Termine besprechen, und dann "sprintete ich in die Stadt. Denn es wurde Zeit (Abend).

Ich orientierte mich und erreichte auch bald die Cattedrale San Lorenzo. In der Cattedrale sammelte ich mich und dankte Jesus für meinen glücklichen Weg. Dann ging ich weiter in den Stadtteil San Pellegrino und schaute mir die hier befindlichen schönen alt-ehrwürdigen Häuser an. Dann war aber auch schon der Abend da und ich ging, bevor ich zu meiner Pension zurück ging, noch einen Kaffee trinken. Die Signora wartete, weil sie mir noch ein kleines Abendessen zubereitet hatte. Grazie, Signora! Ihr Bruder kam auch noch zu Besuch und wir redeten und redeten. Es wurde spät und ich ging zu Bett.

Klaudia rief noch an und ich konnte ihr wieder viel erzählen. Morgen würde der Pilgerweg, nicht so schwer werden. Es geht dann nach Vetralla.

11. Pilgertag: Viterbo -Vetralla (21 km)

Nächster Morgen! Der 11. Pilgertag war angebrochen. Heute ließ ich das Ganze etwas langsamer angehen, weil meine Pilgerstrecke nicht so weit war.

Signora bereitete mir ein super (!) Frühstück. Mille grazie, Signora! Signora ließ es sich auch nicht nehmen mich mit ihrem Auto bis vor die Stadt, bis zu meinem Einstieg in meinen Pilgerweg, zu fahren. Dann großer Abschied von Signora: Küss-chen rechts, Küsschen links. Arrivederci, Viterbo!

Ursprünglich wollte ich über die Via Cassia direkt nach Vetralla pilgern, aber vor dem mächtigen Verkehr, so warnte mich Signora, hatte ich so meine Bedenken. Darum verlegte ich meinen Weg von Viterbo ausgehend, über San Martino al Cimino, Tobia und Tre Croci nach Vetralla. Das machte ich dann auch. Ich habe es nicht bereut, denn die Straßen waren nicht so sehr befahren und die Autofahrer nahmen große Rücksicht auf mich. Große Steigungen hatte ich auch nicht zu nehmen. Also, Walter, gut gemacht :-)

In San Martino besuchte ich das Kloster San Martino al Cimino. Es ist eine ehema-lige Zisterzienserabtei. Verhaltenen Schrittes pilgerte ich meinen Weg, und war gegen Mittag bereits in Vetralla.

Hier, in Vetralla, steuerte ich zuerst die Chiesa di S. Francesco an, um mich bei Jesus in Ruhe für die letzten schönen Tage meiner Pilgerung zu bedanken.

Dann aber schaute ich mal nach wo meine Pension zu finden ist. Die Strasse hatte ich schnell gefunden und damit auch das Haus. Ich klopfte! Nichts rührte sich. Ich klopfte noch einmal! Wieder nichts. Dann sah ich die Schelle: kling, kling! Nichts! dann sah ich den Zettel seitlich der Türe: Per favore, telefonata xxx. Hab' ich gemacht. Signora kommt und öffnet die Türe. Wieder alles für mich! Zuerst musste ich erst einmal essen. Dann machte ich mich frisch und ging mir die Stadt in voller Ruhe ansehen. Zeit hatte ich ja genug. Bemerkenswert fand ich die Waschhäuser in offener Bauweise, wo die Anwohner zu jeder Jahreszeit ihre Wäsche reinigen. Wie toll mag das wohl im Winter sein *ggg*?! Auch das Wäschetrocknen ist eine Sache für sich. Im Centro storico gibt es so gut wie keine Höfe. Also, Wäsche zum Fenster 'raus. Aber wie auch in den anderen Provinzstädten gibt es hier schöne Bars in denen man sich gut mit den Leuten unterhalten kann. Am frühen Abend ging ich wieder zu meiner Pension und machte "große Wäsche".

Signora hatte einen Zettel hinterlegt: La prima colazione (!) viene servita nel bar può essere fondamentale per la casa. Chiudere la porta (oder so ähnlich). Ich machte mir mein Abendessen und erwartete den Anruf von Klaudia, der auch kam *freu*.

12. Pilgertag: Vetralla - Sutri (22 km)

Wie fast immer war ich schon früh wieder wach: 12. Pilgertag! Schnell habe ich mich zurecht gemacht, weil ich mächtigen Hunger verspürte. Also ging ich in die Bar um mein Frühstück zu bekommen. Ein Wunder, ich durfte mir so viel von den leckeren Dingen bestellen wie ich wollte *hm*. Das habe ich dann auch ausgiebig genossen. Aber dann, Rucksack auf und ab Richtung Sutri. Insgesamt hatte ich auf diesem Weg so um die 100 Höhenmeter zu nehmen bei ca. 22 km - Spaziergang! Hier möchte ich mal sagen, dass mich mit Verlauf der Pilgerung die Tageskilometer immer weniger ausmachten, obwohl ich nicht der sportlichste Mensch bin.

Die Sonne schien warm, und es machte richtig Spaß zu pilgern. Ich wandelte auch jetzt wieder auf der Via Francigena :-) Es war auch sehr angenehm, dass ich die Via Cassia, die SS2, nicht belaufen musste. Es war ein sehr schöner Pilgerweg, der über "Madonna di Loreto" nach Capranica führte. Ich pilgerte durch den mittelalterlich anmutenden Ort, hielt mich aber nicht für mehr als für einen Milchkaffee auf. Eigentlich schade! Aber, ich wiederhole mich da, ist das das Lis eines Pilgers: Weiter, weiter ...Und dann, größtenteils über die S. P. Capanichese, führte mich der Weg nach Sutri. Gegen 11 Uhr lief ich ein.

Bevor ich zum Convento ging machte ich zuerst einmal ausgiebig Pranzo. Die Strasse zu finden an der das Convento, meine Herberge, lag war ein Drama. Die gesamte Straße hieß XXX. Ein kurzer, mittlerer Teil der Straße davon hieß YYY. Das soll einer wissen *ggg*. Hab' ich dann aber!!!

Ich schellte *klingeling*, und der Summer *summte**lach*. Dann ging ich durch die erste Türe, die zweite Türe, dann wurde ich durch eine aufgeregte Schwester gestoppt: "No, no, non più". Oder ähnlich. Aber so schön war sie nun auch wieder nicht *lach*. Wir besprachen den Preis. Verhandeln gab es nicht. Sie gab mir ca. 25% Nachlass, weil ich bestimmt so unterstützungsbedürftig aussah. Ich bekam den Zimmerschlüssel und ging in die Pilgerherberge des Convents. Ich blieb wieder allein. Aber so weit war ich noch nicht. Ich machte mich zurecht und besuchte Jesus in der Cattedrale Santa Maria Assunta, und bedankte mich auch dafür, dass ich meinen Pilgerweg bis hierher so gut pilgern durfte. Dann schaute ich mir noch die sehr schöne Stadt mit ihren Sehenswürdigkeiten an.

Am späten Nachmittag ging ich dann zum außerhalb der Stadt gelegenen archäologischen Park. Hier kann man eine Vielzahl etruskischer Tombe und ein Anfiteatro aus etruskischen Zeiten bewundern, welches aus dem Tuffstein herausgehauen worden ist. Gemächlich durchwanderte ich das Gebiet, kroch in alte Tombe, entdeckte Wandmalerien und Zeichen, die ich nicht deuten konnte. Dann ging ich um den Tuffsteinberg herum und erreichte das Amphitheater. Ich kletterte die Ränge hoch und setzte mich. Ich dachte nach und fragte mich, was mag sich hier wohl in grauen Vorzeiten abgespielt haben?! Gab es hier nur Elend und Trauer, oder auch Freude??

Dann ging ich wieder in die Stadt und zur Cattedrale Santa Maria Assunta um mir in Ruhe das Innere anzusehen und um zu meditieren. Dort traf ich dann, was für ein Wunder, zwei Pilgerinnen aus Erfurt. Auch diese Pilgerinnen wollten zu meinem Zeitpunkt in Rom sein. Dann haben wir uns ausgemacht, dass wir uns links vom Obelisk (!) auf dem Petersplatz treffen wollen. Eine Uhrzeit haben wir nicht vereinbart!!! (Das merken wir uns!!!) Wir verabschiedeten uns. Für mich ging ein weiterer schöner Tag zu Ende.

13. Pilgertag: Sutri - Campagnano di Roma (25 km)

Ich stand auf, 13. Pilgertag, und die Sonne ging auf *freu*. Dann machte ich mich zurecht, frühstückte, und brachte der Sorella den Schlüssel zurück. Arrivederci, mia cara Sorella e Sutri!

Der Weg, ca. 25 km, mit simplen Steigungen, führte heute bei strahlendem Sonnen-schein nach Campagnano di Roma. Fast ausschließlich führte der Pilgerweg über Wirtschaftswege und Pisten. Der Verlauf: Sutri, Monterosi, Campagnano.

Von Sutri bis Monterosi verlief der Weg relativ einsam. Einzelne Gehöfte brachten mit ihren Bewohnern etwas Abwechselung. Hier kam ich dann auch immer zu frischem Trinkwasser. Die Hunde waren wieder bescheuert. Der weiterführende Weg verlief lebhafter, weil sehr viele Ortschaften auf dem Wege lagen. Mittags hatte ich ziemlich kaputt Campagnano erreicht - die Sonne, der Weg, mein Ballast! Aber was war denn hier los? Jahrmarkt! Prima!

Es war ein tolles Treiben, und die Angebote waren verlockend. Aber zuerst ging ich in die Chiesa Confalone, ruhte mich aus und betete meinen Dank. Dann lockte mich der Jahrmarkt mit seinen Genüssen. Bald wurde es aber Zeit für mich die Pilgerherberge zu aufzusuchen. Ich hatte ja meinen Plan. Also alles sehr einfach! Aber hier irrte ich. Mein Plan schickte mich ca. 30 min. an den Stadtrand. Dort war aber nichts. Also zurück und fragen. Die Strasse lag fast entgegengesetzt meiner ursprünglichen Kenntnis. Eine Stunde war wieder weg. Ich fand die Pilgerherberge, die aber geschlossen war. Ich suchte ein mir bekanntes Hotel auf. Aber die verlang-ten plötzlich Wucherpreise :-( Es war eben Jahrmarkt! Oder ich sah plötzlich wohl-habend aus! Was jetzt?

Wie schon sehr oft während meiner Pilgerung kam die Eingebung: Geh' noch mal zur Pilgerherberge! Ich ging! Die Pilgerherberge hatte geöffnet, und das Eintrittstor zum Gelände stand offen. An der Haustüre hing wieder ein Zettel mit einer Telefonnummer. Ich rief an, und nach ca. 15 min. wurde die Türe geöffnet und ich hatte eine Herberge in einem Saal mit ca. 50 Betten. Ich dachte, dass ja doch niemand kommt und dann habe ich ca. 50 Betten für mich *freu*. So war es. Nach meiner Einrichtung ging ich in das Centro storico mit seinen sehr sehenswerten Baulichkeiten und schaute mir alles in Ruhe an. Auf dem Jahrmarkt aß ich dann meine Abendmahlzeit. Dann schaute ich schon mal nach, wie es morgen weiter gehen sollte. So ging ich dann wieder zufrieden zu meiner Herberge zurück und reflektierte noch einmal den Tag und mein Tun. Ich schlief wie ein Murmeltier. Betten hatte ich ja genug!

14. Pilgertag: Campagnano di Roma - La Storta (19 km)

Der Morgen kam, und damit mein 14. Pilgertag. Der Himmel war mit Wolken verhangen. Ja, prima :-( Aber der Weg war ja heute nicht so weit.

Der Weg führte in einem welligen auf und ab über Formello nach La Storta. Das Wetter wechselte ständig: Sonne, Regen, Wind ... Bis Formello führte der Weg über gute Pisten. Dann über eine westliche Umgehungsstraße um Formello herum und dann auf direktem Weg nach La Storta.

Hier, in La Storta, ging ich direkt zur Parrocchia - geschlossen. Ein seitlich der Türe angebrachtes Schild verriet mir das Kontakttelefon. Anruf zum Padre und Termin um 17.00 Uhr. Zwischenzeitlich suchte ich ein nahe gelegenes Convento auf. Aber hier gab es keine Pilgeraufnahme mehr. Ich hatte auch noch die Adresse von einem anderen Convento an der Via Cassia. Ich also los. Kilometer um Kilometer, aber dann war ich da. Die Surella war sehr freundlich und nannte den Preis, der mir trotz Rabatt als zu hoch erschien. Arrividerci! Ich sah eine Bushaltestelle, löste in einer naheliegenden Bar ein Ticket, und fuhr den Weg nach La Storta zurück.

Hin zur Parrocchia. Warten, warten! Aber dann kam der Kaplan der mir mitteilte, dass keine Pilger mehr aufgenommen werden. "No, no. Padre, ha accettato", meinte ich. Nun wurde es spannend: Der Kaplan telefonierte wie ein Weltmeister.Telefonge-spräch hin und her. Kurz gesagt, ich durfte bleiben. Wir schauten uns gemeinsam im Gebäude um. Aber es gab kein Bett. Nur Tische u. Stühle. Aber es gab ein dichtes Dach. Der Kaplan gab mir seinen Schlüssel damit ich beweglich blieb. Ich bedankte mich ganz herzlich bei ihm für den Einsatz das ich bleiben durfte und für sein Vertrauen mir gegenüber!

Dann ging ich doch relativ zufrieden in den Ort und stärkte mich erst einmal in einer Bar. Anschließend, am frühen Abend, suchte ich die Chiesa Sacri Cuori di Gesù e Maria auf, um mich zu bedanken, dass doch noch alles zum Guten ausgegangen ist.

Aber da hatte ich noch nicht die Erlebnisse des abends mitbekommen. Tja, kein Bett da! Wo werde ich denn nun schlafen? Decke und Schlafsack heraus und auf den Boden damit. War das kalt, denn das Gebäude war nicht beheizt. Ich schob also mehrere Tische zusammen, und ich dann darauf. Das ging besser. Aber so gegen 20 Uhr ein Getöse im Haus. Viele, viele Besucher hielten bei mir nebenan ein Seminar mit Gesangsfolge ab. Natürlich ging ich auch hinüber, so neugierig wie ich war. So gegen 23 Uhr war aber auch das vorbei, so dass ich mich nun auch zur Ruhe legen konnte.

Von La Storte war ich sehr enttäuscht. Eigentlich gab es hier nichts was einer Besichtigung wert gewesen währe. Außer der Kirche natürlich. Vielleicht lag das aber auch nur am schlechten Wetter. Egal, denn morgen, ja, morgen würde ich in Rom sein!!!

15. Pilgertag: La Storta - Rom (17 km, Zug)

Nun war er da! Der ersehnte Tag! Rom!!! Aber noch befand ich mich in La Storta. Nach ausgiebigen Überlegungen hatte ich mich entschlossen, dass ich die letzte Strecke mit dem Vorortzug durchführen will. Die mehrspurige Via Trionfale schreckte mich doch ab. Später, in Rom, wurde mir mein Vorgehen auch als richtig bestätigt. Also packen, den Schlüssel in den Postkasten werfen und ab zum Bahnhof. Hier in der Bar noch schnell einen Kaffee, da kam auch schon der Zug. Innerhalb von ca. 30 min. war ich in Rom.

An der Stazione San Pietro stieg ich aus. Ich war da! Ich sah auch schon die Kuppel von San Pietro in Vaticano, den Petersdom. Nach einigen Minuten war ich auf der Piazza San Pietro. Ich ging zur linken Seite der Freitreppe und kniete mich unterhalb hin. Dann legte ich meinen Kopf auf die Stufen, machte die Augen zu und ließ alle Tage die ich unterwegs gewesen bin an mir vorbei gehen. Ich dankte Jesus dafür, dass er mich auf meinem Pilgerweg begleitet und behütet hat, so dass ich gesund und munter in Rom ankommen konnte.

Dann ging ich in den Petersdom um dort mein Versprechen einzulösen. Wo der Eingang zum Grab lag wusste ich. Ich wollte durch die Türe gehen, da wurde ich von einem Bediensteten gestoppt: "Nessun accesso". Kein Eintritt!? Das konnte nicht sein. Denn dann währe alles umsonst gewesen. Ich machte im klar, dass ich "Pellegrinaggio alla tomba di San Pietro" sei. Er stutzte, ging kurz fort und nahm mich mit in den "Keller". Hier redete er mit einem weiteren Bediensteten und der Weg war für mich frei, frei zum Grab des heiligen Petrus! Die freundlichen Bediensteten waren verschwunden. Ich kniete am Grab und sagte das was ich sagen wollte, und wofür ich überhaupt diesen Pilgerweg gegangen bin. Ich betete für alle die mir diesen Weg ermöglicht haben und für alle Menschen die ich in meiner neuen und alten Heimat kenne.

Dann ging ich wieder nach oben in den Kirchenraum zurück. Ich bedankte mich herzlich bei dem Bediensteten, der sich für mich eingesetzt hat. Grazie, Signore!

Nun wurde es aber Zeit für mich, dass ich zu meiner Pension gehe. Einchecken von 11 - 13 Uhr. Die Pension befand sich in Höhe der Stazione Termini, mehr als 4 km vom Petersplatz entfernt. Pünktlich kam ich an, aber die Türe war verschlossen :-(

Ich schellte, klopfte und rappelte gegen die Türe. Nichts! Nur gut, dass ich von allen meinen Unterkünften Telefonnummern dabei hatte. Aber kurz gesagt: Ich musste böse werden, damit der Hausherr reagierte und eine Person schickte die die Türe öffnete. Aber ohne eine Zimmerangabe. Ich belegte daraufhin einfach das beste Einzelzimmer.

Später kam der Besitzer und alles war gut. Er hatte seine Pension einfach überbucht. Gemeinsam aßen wir dann seinen Obstkorb leer. Ich regelte mich und ging dann wieder in die Stadt um mich noch einmal im Petersdom einzufinden. Der Tag neigte sich, als ich mich wieder auf dem Weg zu meiner Pension machte. Insgesamt bin ich aber dann doch noch mehr als 12 km gelaufen. Das merkte ich dann aber auch. Ich legte alles für den morgigen Tag zurecht, der von meinem Besichtigungsprogramm geprägt sein sollte. Ich dankte Jesus dafür, dass doch noch alles zum Guten ausgegangen ist.

16. Pilgertag: Rom

Für heute waren nur Besichtigungen angesagt. Darum beeilte ich mich auch gar nicht. Mit dem Bus fuhr ich zum Petersplatz. Denn hier wollte ich beginnen. Aber vorher ging ich in den Petersdom und meditierte. Irgendwie hatte ich einen Freibrief. Denn ich durfte auch „bewachte" und gesperrte Seitenkapellen betreten und dort beten. Dann ging ich auf den Petersplatz hinaus. Dort traf ich dann, o Wunder, die Pilgerinnen aus Sutri. Wo trafen wir uns genau? Natürlich links vom Obelisken. Ehrlich!!! Wir redeten noch eine Weile über unsere Erlebnisse. Aber dann: Abschied! Ich ging dann zum Pilgerbüro mein Testimonium (Pilgerurkunde) zu beantragen. Hier teilte ich den netten Damen mit, dass ich während meiner Pilgerung nur vier andere Pilger gesehen habe. Wie man mir sagte, würde sich das aber in den Sommermonaten anders darstellen. Ich dachte: "Gut, dass ich das nicht erleben musste". Mein Testimonium konnte ich nicht gleich mitnehmen, weil Pater Bruno nicht anwesend war. Die Damen kopierten meinen Pilgerausweis mit dem Hinweis, dass man mir das Testimonium nach Deutschland schicken würde. Das stimmte! Nach einiger Zeit brachte es mir der Postbote ins Haus.

Nun lief ich aber mein Besichtigungsprogramm ab. Da ich aber schon mehrmals Rom besucht habe, konnte ich mir überall genügend Zeit nehmen. Etwas war aber auch für mich neu: Die spanische Treppe im Blumenschmuck! Einfach atemberaubend schön.

Das war wieder ein Tag mit unzähligen Ereignissen. Ich ging wieder zu meiner Pension zurück. Ich staunte dort nicht schlecht, denn die Signora hatte für ihren Mann und für mich ein leckeres Abendessen auf den Tisch gebracht. Grazie, Signora! Der letzte Abend ...

17. Pilgertag: Rom - Westmünsterland

Die letzte Nacht habe ich ein bisschen schlecht geschlafen. Das lag aber bestimmt am Gewitter *lach*. Am frühen Vormittag fuhr ich mit einem Shuttle zum Flughafen. Die Fahrkarte hatte ich schon über das Internet in Deutschland gekauft. Wenn man aufpasst, ist bei einer intensiven Planung so mancher Euro zu sparen! Hier ein kleiner Hinweis: Mein Flugticket für den Hinflug hat mich 0,99 Euro (!!!) gekostet. Gut, dann kam noch die Flughafengebühr und andere Zulagen dazu, dass ich aber letztendlich doch nur bei knapp 30 Euro lag.

Das Flugzeug flog recht pünktlich ab und landete mit etwas Verspätung in Weeze. Und hier, welche Freude, erwartete mich meine liebe Klaudia, meine Tochter, Schw.-S. und Enkelkinder. Ich war wieder Daheim!!!

Via Francigena - Schlussbemerkung

Was ist jetzt eigentlich noch zu sagen?

Mein Entschluss im April zu pilgern war für mich richtig, weil ich wirklich keine Not hatte irgendwo eine Schlafgelegenheit zu finden. Auch die Leute, mit denen ich Kontakt hatte, waren immer sehr freundlich und aufmerksam.

Den Pilgerweg von Siena nach Rom, ca. 285 km, hatte ich für mich richtig ausge-wählt. Denn ich musste ja an meine Kondition denken.

Mein Entschluss ist gewachsen, dass ich die Via Francigena in weiteren Teilabschnit-ten rückläufig pilgern werde.

Bild Titelseite: Start in Siena

Bild Seite 16: Ankunft im Rom

Bild Seite 17: Testimonium